Hintergründe
VPN und Gaming-Ping: Was die Latenz bestimmt und wie Sie sie messen

Inhalt
Der Ping ist die Zeit, die ein Paket von Ihrem Gerät zum Spielserver und zurück braucht. Wenn Sie überlegen, mit einem VPN den Ping beim Gaming zu senken, sollten Sie zuerst wissen, woraus sich diese Verzögerung zusammensetzt. Ein VPN fügt dem Weg eine weitere Station hinzu, deshalb steigt der Ping mit eingeschaltetem VPN meist ein wenig. Sinken kann er nur in wenigen Fällen, die weiter unten beschrieben sind, und eine Messung mit und ohne VPN zeigt, ob Ihr Spiel dazugehört.
Woraus sich der Ping zusammensetzt
Der erste Teil ist die Entfernung, und an ihr führt kein Weg vorbei. Ein Signal in der Glasfaser bewegt sich mit rund 200.000 km pro Sekunde, also kommt pro 100 km Kabel etwa eine Millisekunde zum Hin- und Rückweg hinzu. New York und London liegen Luftlinie rund 5.600 km auseinander, darum kann der Ping zwischen beiden nicht unter etwa 56 ms fallen. In der Praxis ist er höher, denn Kabel verlaufen nicht schnurgerade.
Der zweite Teil ist die Route. Ein Paket durchläuft die Netze mehrerer Unternehmen, und wo diese Netze verbunden sind, bestimmen Vereinbarungen zwischen ihnen, nicht die Geografie. Manchmal macht Verkehr zu einem Server in der Nachbarregion oder im Nachbarland einen langen Umweg, bevor er ankommt.
Der dritte Teil ist die Auslastung. Abends, wenn alle zu Hause sind, füllen sich die Leitungen, und Pakete stehen in den Geräten Ihres Anbieters Schlange. Der vierte ist Ihr eigenes Netz. WLAN durch zwei Wände, die Access Points der Nachbarn auf demselben Kanal und ein Update, das auf einem anderen Gerät lädt, verzögern ein Paket, noch bevor es Ihre Wohnung verlässt.
Auf eine gleichmäßige Verzögerung kann sich ein Spiel einstellen, auf Spitzen nicht. Wenn der Ping ständig absackt und hochschnellt, ruckelt Ihre Figur, und Treffer werden zu spät gezählt. Achten Sie deshalb neben dem Durchschnitt darauf, wie stark die Verzögerung schwankt (das nennt man Jitter), und auf Paketverluste.
Woher die zusätzlichen Millisekunden kommen
Normalerweise geht ein Paket von Ihrem Router direkt zum Spielserver. Mit VPN geht es erst zum Server des VPN-Anbieters und dann zum Spiel. Liegt dieser Server abseits des direkten Wegs, entsteht eine Schleife. Angenommen, Sie sind in Chicago, der Spielserver steht in Virginia, und Sie haben sich über Deutschland verbunden. Dann überqueren Ihre Pakete zweimal den Atlantik, und die Verzögerung wächst um deutlich mehr als hundert Millisekunden.
Die zweite Ursache zeigt sich nur auf einer Leitung, die Pakete verliert. Spiele senden ihre Pakete über UDP, und wenn eines verloren geht, überspringt das Spiel es einfach, denn das nächste enthält schon eine neue Position. Transportiert ein Tunnel diesen Verkehr in einer TCP-Verbindung, wird aus einem Verlust ein Stau. Alles dahinter wartet, bis das fehlende Stück erneut gesendet wurde, und das dauert mindestens einen weiteren Hin- und Rückweg zum VPN-Server. Ein Spiel sendet viele Pakete pro Sekunde, und schon ein verlorenes von hundert bedeutet alle paar Sekunden eine Spitze. Warum sich Tunnel über TCP so verhalten, erklärt unser Artikel über VPN-Protokolle.
Multihop fügt eine weitere Station hinzu. In diesem Modus läuft der Verkehr über einen Zwischenserver in einem dritten Land, und der Weg zum Spiel wird länger. Bebra schaltet Multihop manchmal bei der Suche nach einem funktionierenden Server ein, wenn es keinen anderen Weg zur Verbindung gibt. Meldet die App nach der Suche „VPN funktioniert über Multihop“, probieren Sie vor dem Spielen ein anderes Land in der Nähe des Spielservers.
Wann ein VPN den Ping tatsächlich senkt
Ihr Anbieter leitet den Verkehr über Umwege
Wenn die Route Ihres Anbieters zum Spiel über ein anderes Land führt, während der VPN-Server eine kürzere Verbindung zum Netz des Spiels hat, ist der Weg über das VPN am Ende direkter. Das zeigt eine Routenverfolgung mit traceroute (mehr dazu unten).
Ihr Anbieter drosselt bestimmten Verkehr
Manche Anbieter drosseln zu Stoßzeiten bestimmte Arten von Verkehr oder einzelne Dienste. In einem verschlüsselten Tunnel kann der Anbieter Ihr Spiel nicht vom übrigen Verkehr unterscheiden und es deshalb auch nicht gezielt bremsen.
Das Spiel verbindet sich in Ihrem Netz nicht
Dann geht es nicht mehr um den Ping. Ohne VPN verbindet sich das Spiel nicht, mit VPN höchstwahrscheinlich schon. Was Ihr Anbieter und das Spiel dabei jeweils sehen, erklärt unser Artikel darüber, wie ein VPN funktioniert.
In allen anderen Fällen senkt ein VPN den Ping nicht, vor allem dann nicht, wenn der Spielserver in Ihrer eigenen Region steht und der Ping ohne VPN schon niedrig ist.
So testen Sie es mit Ihrer eigenen Verbindung
Finden Sie heraus, wo der Spielserver steht
Die Serverregion wählen Sie meist in den Matchmaking-Einstellungen. Wenn das Spiel Stadt oder Land des Servers anzeigt, notieren Sie sie.
Messen Sie den Ping ohne VPN
Schalten Sie die Latenzanzeige des Spiels ein. Die meisten Onlinespiele haben eine in den Einstellungen der Oberfläche oder im Scoreboard. Spielen Sie ein paar Matches und notieren Sie den durchschnittlichen Ping und wie stark er schwankt.
Sehen Sie sich die Route an
Führen Sie bei ausgeschaltetem VPN unter Windows tracert und auf Mac und Linux traceroute zur Adresse des Spielservers oder zu einer beliebigen Website in derselben Stadt aus. Springt die Verzögerung an einem Hop in einem anderen Land stark nach oben, ist die Route Ihres Anbieters ungünstig.
Verbinden Sie sich im Land des Spielservers
Tippen Sie in der Bebra-App auf die Kachel des Landes, in dem der Server steht, oder auf die Kachel des Landes, das auf dem Weg dorthin am nächsten daran liegt.
Messen Sie erneut zur selben Uhrzeit
Spielen Sie gleich viele Matches auf demselben Server. Vergleichen Sie Durchschnitt, Schwankung und Verluste. Ist es schlechter geworden, spielen Sie ohne VPN oder leiten Sie das Spiel daran vorbei.
Die Anzeige im Spiel ist hier zuverlässiger als der ping-Befehl des Systems. Denn sie misst die Verzögerung genau zu dem Server, auf dem Ihr Match läuft, und viele Spielserver antworten auf ping überhaupt nicht. Die Routenverfolgung führen Sie bei ausgeschaltetem VPN durch, denn es geht darum, die Route Ihres Anbieters zu sehen.
Häufige Fehler
- Verschiedene Tageszeiten vergleichen. Ein Test tagsüber ohne VPN und einer abends mit VPN gehören nicht nebeneinander. Abends ist das Netz Ihres Anbieters stärker ausgelastet, und der Unterschied hat womöglich nichts mit dem Tunnel zu tun.
- Nur auf den Durchschnitt schauen. Zwei Verbindungen mit gleichem durchschnittlichem Ping fühlen sich im Spiel ganz unterschiedlich an, wenn eine davon Spitzen und Verluste hat.
- Mit dem Nachbarland verbinden. Ein kurzer Weg zum VPN-Server hilft nicht, wenn das Spiel weit von diesem Server entfernt ist.
- Irgendeine Website anpingen. Die Verzögerung zu einer Suchmaschine oder einer Nachrichtenseite sagt nichts über den Weg zu einem Spielserver in einer anderen Stadt.
- Vom VPN erwarten, dass es das Heimnetz repariert. Wenn der Ping auch ohne VPN springt und die Routenverfolgung die Verzögerung schon am ersten Hop zeigt, liegt es an Ihrem WLAN oder Router, und daran ändert ein Tunnel nichts.
Welches Land Sie in Bebra wählen
Ein Land ist in Bebra der Ort, an dem Ihr Verkehr auf dem Weg zum Spiel das VPN verlässt. Beginnen Sie also mit dem Land, in dem der Spielserver steht, probieren Sie dann die Nachbarländer und vergleichen Sie die Werte. Die App kann nicht wissen, auf welchem Server Ihr Match läuft, deshalb wählt die Kachel „Schnellste“ ein Land ohne diese Information, und vor einem Match ist es sicherer, auf ein bestimmtes Land zu tippen. Die Kachel „Zufällig“ liefert, wie der Name schon sagt, keine wiederholbaren Ergebnisse.
Am einfachsten finden Sie das gewünschte Land über „Suchen“. Wenn Sie sich regelmäßig damit verbinden, landet es in den „Favoriten“, wo die Länder stehen, mit denen Sie sich im letzten Monat mindestens zweimal verbunden haben. Mit welcher Stadt Sie in jedem Land verbunden werden, steht auf der Standortseite.
Der Platz eines Landes im Abschnitt „Länder mit der höchsten Geschwindigkeit“ sagt nichts über Ihren Ping zum Spiel. Schnelle Downloads und niedrige Latenz sind verschiedene Eigenschaften einer Verbindung, und die Latenz hängt vor allem von der Entfernung ab.

Das VPN aus dem Match heraushalten
Manchmal brauchen Sie das VPN für andere Apps, während es Ihrem Spiel nur Millisekunden hinzufügt. Nehmen Sie das Spiel dann aus dem Tunnel. Tippen Sie auf dem Hauptbildschirm auf „Tunnel“ und wählen Sie „Manuell“. Dort tragen Sie die Domains, Subnetze oder einzelnen IP-Adressen der Spielserver ein, eine pro Zeile. Auf Android finden Sie im selben Bildschirm „Apps, die das VPN umgehen“ und können dort das ganze Spiel anhaken. Auf Android 12 oder älter greift diese Liste nur teilweise.
Auf Android schaltet das System das VPN manchmal im Hintergrund ab, um Akku zu sparen, und die Verbindung bricht mitten im Match ab. Öffnen Sie „Mein Profil“ → „Einstellungen“ und tippen Sie unter „Akku sparen“ auf „Zu Ausnahmen hinzufügen“.
Der Rest hat mit dem VPN nichts zu tun. Schließen Sie den Computer per Kabel an oder nutzen Sie WLAN mit 5 GHz und setzen Sie sich näher an den Router. Pausieren Sie Downloads auf anderen Geräten, während Sie spielen. Erscheint der Hinweis „Schlechte Verbindung“, tippen Sie zwischen zwei Matches auf „Problem beheben“. Die Suche nach einem funktionierenden Server kann ein, zwei Minuten dauern, und die möchten Sie nicht mitten im Spiel verlieren.
Konsolen und Spielregeln
Für Spielkonsolen hat Bebra keine Apps. Eine Konsole können Sie aber über Ihren Router verbinden. Für Keenetic, OpenWrt und MikroTik gibt es eine Bebra-App, die direkt auf dem Router läuft und Ihr ganzes Heimnetz oder nur die ausgewählten Geräte über das VPN leitet. Dafür brauchen Sie ein Konto mit E-Mail-Adresse und ein aktives Abo.
Denken Sie auch an die Regeln. Ein VPN ist kein Weg, Spiele zu den Preisen eines anderen Landes zu kaufen. Abschnitt 3.A des Steam-Nutzungsvertrags erlaubt nicht, Ihr Wohnsitzland durch Verschleiern der IP-Adresse oder ähnliche Methoden zu verbergen, und Valve kann den Zugang zum Konto kündigen. Manche Spiele haben eigene Regeln zu VPNs, und es lohnt sich, sie vor dem Verbinden zu lesen. Mehr zu Bebra fürs Gaming finden Sie auf der Gaming-Seite.
Jeder Tarif umfasst alle 187 Länder. Um Ihren Ping in Ihren eigenen Spielen mit und ohne Tunnel zu vergleichen, beginnen Sie mit dem Testzugang für 10 ₽. 3 Tage voller Zugriff, danach 500 ₽ pro Monat. Das Abo verlängert sich automatisch.
Fragen und Antworten
Senkt ein VPN meinen Ping, wenn der Spielserver in meiner Stadt steht?
Nein. Der Weg wird nur länger, weil Ihre Pakete zuerst zum VPN-Server gehen. Ist Ihr Ping ohne VPN schon niedrig und stabil, spielen Sie ohne.
Warum springt mein Ping mit VPN, obwohl die Geschwindigkeit hoch ist?
Geschwindigkeit und Latenz sind verschiedene Eigenschaften einer Verbindung. Ein ungleichmäßiger Ping kommt von Paketverlusten, schwachem WLAN, Downloads auf anderen Geräten und einem weit entfernten Server. Prüfen Sie, ob der Ping auch ohne VPN springt. Wenn ja, liegt die Ursache in Ihrem Heimnetz oder bei Ihrem Anbieter.
Mit welchem Protokoll ist der Ping am stabilsten?
Auf einer Leitung mit Paketverlusten läuft ein UDP-basierter Transport gleichmäßiger. In Bebra wählt die App das Protokoll. Wenn Ihr Ping springt, wählen Sie ein Land näher am Spielserver oder tippen Sie zwischen zwei Matches auf „Funktionierenden Server finden“.
Behebt ein VPN Paketverluste im Spiel?
Nur wenn die Pakete im Netz Ihres Anbieters auf dem Weg zum Spiel verloren gehen. Gehen sie schon in Ihrem WLAN zu Hause verloren, ändert ein VPN nichts, denn der Tunnel läuft über dasselbe WLAN.
Wie verbinde ich eine Spielkonsole mit einem VPN?
Eine App für Konsolen gibt es nicht, aber Sie können die Konsole über einen Router verbinden, auf dem die Bebra-App läuft. Auf der Seite des Routers wählen Sie, welche Geräte über das VPN laufen.
Kann ich mit einem VPN Spiele günstiger kaufen?
Die Regeln von Steam erlauben nicht, Ihr Land durch Verschleiern der IP-Adresse zu verbergen, und Sie können dadurch den Zugang zu Ihrem Konto verlieren. Ein VPN ist zum Spielen da, nicht zum Wechseln der Preisregion.



